Balkonien gestalten

Wenig Platz - Viele Möglichkeiten

Ein Balkon ist meist nur wenige Quadratmeter groß, bestenfalls finden hier ein paar Stühle, ein Tisch und die ein oder andere Pflanze einen Platz. Doch auch auf kleinem Raum können wir Strukturen schaffen, die neben Nahrung auch Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten für unsere tierischen Nachbarn bieten.

Natürlich wird es nicht die Trockensteinmauer oder der Totholzhaufen, aber auch ein Kräuterkasten oder ein Miniteich erfüllen wichtige Funktionen für beispielsweise Insekten oder Vögel. Dabei schließt das keinesfalls den beliebten „Urlaub auf Balkonien“ aus, vielmehr können Pflanzen und Wasser zu einem besonderen Wohlfühlort beitragen.

Miniteich

Kleine Gewässer werden gerne von Insekten oder Vögeln als Trinkstelle angeflogen. Mit wenig Aufwand lässt sich auf einem Balkon ein Miniteich einrichten. Dazu benötigt man zunächst ein größeres Gefäß, beispielsweise eine Zinkwanne. Damit sich keine Schadstoffe ins Wasser lösen, wird diese mit Teichfolie (ohne das schädliche PVC) ausgekleidet. Mit größeren Steinen lassen sich verschiedene Ebenen einbauen, auf die nachher die Pflanzen gestellt werden können. Auf den restlichen Wannenboden können gewaschene Kieselsteine oder Sand verteilt werden. Für die Pflanzenauswahl eignen sich schwachwüchsige Teichpflanzen, wie Froschlöffel, Gauklerblume, Sumpfdotterblume oder Froschbiss. Kleine Schwimmpflanzen sind besonders wichtig, damit Insekten darauf landen können. Die Pflanzen werden zunächst mit etwas nährstoffarmer Erde oder Sand in Teichkörbe gesetzt und mit ein paar Kieselsteinen beschwert, damit das Pflanzsubstrat nicht austritt und die Pflanzen stehen bleiben.

Dann kann die Wanne auch schon mit Wasser gefüllt werden, dabei ist Regenwasser die beste Wahl. Der Standort sollte so gewählt werden, dass der Teich in der Mittagssonne etwas beschattet ist, damit sich das Wasser nicht zu stark aufheizt und eine Algenbildung verhindert wird. Bei anhaltender Trockenheit sollte immer wieder Wasser nachgefüllt werden. Um ein Durchfrieren des Miniteiches im Winter zu verhindern, lässt man einen Großteil des Wassers ab und stellt das Gefäß mit den Pflanzen an einen kühlen Ort. Ist das nicht möglich können auch nur die Pflanzen in Eimern aufbewahrt werden. Beim Leeren der Wanne sollte jedoch unbedingt auf überwinternde Insektenlarven geachtet werden.

Alternative Bade- und Trinkstelle

Eine Alternative zu einem Miniteich ist eine kleine Tränke. Dazu kann ein einfacher Unterteller eines Blumentopfes mit Wasser gefüllt werden. Ein paar Steine dienen als Landeplatz für Insekten und schützen sie vor dem Ertrinken. Ganz wichtig ist, dass die Schale täglich mit kochend heißem Wasser gereinigt wird, um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern.

Ein Hotel auf Balkonien

Heutzutage ist es für Wildbienen und solitär lebende Wespen oftmals schwer einen geeigneten Nistplatz zu finden. Die bevorzugten Strukturen, wie Totholz, Lehm, Mauerritzen und Steinfugen, werden in der Landschaft immer seltener. Mit schon ganz einfachen Mitteln können wir diese Arten auf unserem Balkon bei der Nistplatzsuche unterstützen. So können an einem sonnigen und geschützten Platz ganz unterschiedliche Nisthilfen angebracht werden, egal ob Holzklötze mit unterschiedlichen Bohrungen, alte Konservendosen mit hohlen Bambusstängeln oder eine Kiste mit Pappröhrchen und Bastelstrohalmen.

In der direkten Umgebung sollten dazu ausreichend heimische Blütenpflanzen, wie Stauden oder Kräuter gepflanzt werden. Denn im Gegensatz zur Honigbiene fliegen Wildbienen auf der Suche nach Nektar meist nur wenige hundert Meter. Das Gute ist, Wildbienen sind sehr friedfertige Tiere, die nur an Pollen und Nektar interessiert sind. Zudem ist der Stachel bei den meisten solitär lebenden Arten zu schwach, um durch unsere menschliche Haut zu gelangen. So steht einem harmonischen Zusammenleben auf dem Balkon nichts im Wege.

Pflanzen pflanzen

Eine der wohl bekanntesten Balkonpflanzen ist die Geranie. Mit ihren gefüllten Blüten ist sie ein absoluter Hingucker. Doch wie alle Pflanzen mit gefüllten Blüten bieten sie kaum bis keine Nahrung für unsere Insekten. Das heißt nicht, dass Blumen mit gefüllten Blüten keinen Platz auf dem Balkon haben dürfen, aber möchte man etwas für Wildbienen und Co tun, ist die Pflanzenauswahl entscheidend. Unsere Tierwelt ist an die heimische Pflanzenvielfalt aus Kräutern, Stauden, Sträuchern und Bäumen angepasst. Diese wiederum kommen am besten mit unseren klimatischen Bedingungen zurecht. Die meisten unserer heimischen Pflanzen brauchen einen nährstoffarmen Standort. Der Bedarf an Licht kommt auf die Pflanzenart an und wird zwischen Sonne, Halbschatten und Schatten unterschieden.

Kräuter – Für Insekten und Küche

Auf einem sonnig gelegenen Balkon bietet sich die Anpflanzung verschiedener Kräuter an, wie Rosmarin, Thymian, Wilder Oregano oder Ysop. Die Blüten sind bei Insekten sehr beliebte Nektar- und Pollenlieferanten und gleichzeitig lassen sich die Kräuter in der Küche vielfältig verarbeiten.

Hoch hinaus - Kletterpflanzen

Auch wenn ein Balkon nicht viel Fläche bietet, besteht oftmals die Möglichkeit Pflanzen in die Höhe wachsen zu lassen. Hierzu bieten sich besonders Pflanzen an, die eine Rankhilfe benötigen, wie Kletterrosen oder Jelängerjelieber (Beeren sind giftig!). Als Sichtschutz eignet sich der Hopfen. Efeu hingegen ist ein Selbstklimmer mit Haftwurzeln. Die dunklen Beeren sind im Winter beliebt bei Vögeln wie der Amsel, im Herbst locken die Blüten Bienen und Schmetterlinge an. Efeu braucht jedoch einiges an Platz und wächst gerne in dunkle Mauerspalten oder zwischen Schieferplatten, was auch mal zu Schäden führen kann.

Wild und bunt – Heimische Stauden

Auf einem Balkon können das ganze Jahr Wildstauden blühen. Die meisten Arten sind zwei- oder mehrjährig und winterhart, wodurch nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden muss. Wie im Garten brauchen die heimischen Arten auch auf dem Balkon ein nährstoffarmes Pflanzsubstrat, aus beispielsweise Sand und normaler Pflanzerde (gekauft oder auch von Maulwurfshügeln eingesammelt). Bei gekaufter Erde sollte darauf geachtet werden, dass kein Torf enthalten ist. Bepflanzt wird je nach Ausrichtung des Balkons mit Stauden, die es sonnig oder eher schattig brauchen. Geeignet sind beispielsweise Lavendel, Moschusmalve, Fetthenne, Storchschnabel, Wiesen-Witwenblume, Rundblättrige Glockenblume sowie die Gewöhnliche Akelei.